30.10.2018 16:31
Kategorie: Wohnungseigentumsrecht

Einholung von Alternativangeboten

In einer Wohnungseigentümergemeinschaft soll eine größere Reparatur durchgeführt werden. Der WEG-Verwalter holt nur ein Angebot ein; nach Beschlussfassung der Wohnungseigentümergemeinschaft vergibt er den Auftrag. Ein Wohnungseigentümer ficht die Beschlussfassung an mit der Begründung, dass es zu einer ordnungsgemäßen Verwaltung gehöre, dass weitere Kostenangebote, zumindest zwei, insgesamt also drei vor Auftragsvergabe hätten eingeholt werden müssen. Aufgrund der Anfechtung wird der Beschluss der Wohnungseigentümergemeinschaft aufgehoben.

Das Landgericht Berlin bestätigt in seinem Urteil vom 2. Februar 2018 (Az. 85 S 98/16 WEG, Rechtsprechung Berlin-Brandenburg), dass es die Grundsätze ordnungsgemäßer Verwaltung erforderten, dass mehrere, in aller Regel drei Vergleichsangebote eingeholt werden müssen. Diese Angebote müssten auch vergleichbar sein. In dem zitierten Urteil sieht das Landgericht Berlin auch eine Schadenersatzpflicht des Verwalters als gegeben an, obwohl die Wohnungseigentümergemeinschaft aufgrund des einen Angebotes die Auftragsvergabe beschloss. Anders wird der Fall indes zu beurteilen sein, wenn der WEG-Verwalter darauf hinweist, dass grundsätzlich drei Angebote zur Beschlussfassung vorliegen müssen und die Wohnungseigentümergemeinschaft trotzdem die Auftragsvergabe bei Vorliegen nur eines Angebotes beschließt.

Nach einer Entscheidung des Landgerichts Frankfurt am Main im Urteil vom 17. Mai 2018 (Az. 2-13 S 26/17, Hessenrecht) bedarf es der Vorlage von Alternativangeboten indes nicht, wenn das Auftragsvolumen gering ist oder sich aus anderen Umständen Anhaltspunkte dafür ergeben, dass das vorgelegte Angebot sich „im Rahmen des üblichen“ bewegt.

Ebenfalls der Vorlage von drei Alternativangeboten bedarf es, wenn ein neuer WEG-Verwalter bestellt werden soll. Dies gilt selbst dann, wenn statt einer Einzelperson eine GmbH, deren Geschäftsführer der bisherige Verwalter ist, zum Verwalter gewählt wird (LG Frankfurt am Main, Beschluss vom 26. März 2018, Az. 2-13 S 27/18, Hessenrecht).

 
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