08.05.2018 10:04
Kategorie: Wohnungseigentumsrecht

BGH: Zwangsversteigerung in ein Wohnungseigentum

Bisher war es umstritten, welche Pflichten der WEG-Verwalter bei einer Zwangsversteigerung in ein Wohnungseigentum hat. Mit dieser Frage hatte sich der BGH nunmehr in seinem Urteil vom 8. Dezember 2017, Az. V ZR 82/17 (abrufbar unter www.bundesgerichtshof.de) zu befassen. Diesbezüglich gilt im Einzelnen:

1. Wird das Zwangsversteigerungsverfahren von einem Dritten (Gläubigerbank) betrieben, so ist es Aufgabe des WEG-Verwalters, rückständige Forderungen im Zwangsversteigerungsverfahren anzumelden. Die Anmeldung ist als „Anforderung der Kostenbeiträge“ im Sinne des § 27 Abs. 1 Nr. 4 WEG anzusehen und von dem Verwalter als Vertreter der Gemeinschaft der Wohnungseigentümer gemäß § 27 Abs. 3 Satz 1 Nr. 4 WEG ohne weiteres vorzunehmen. Meldet der Verwalter diese Forderung nicht an und wird sie insofern bei der Verteilung auch nicht berücksichtigt, so macht er sich gegenüber der Wohnungseigentümergemeinschaft schadensersatzpflichtig.

2. Hingegen kann der WEG-Verwalter nicht ohne weiteres selbst ein Zwangsversteigerungsverfahren gegen einen Wohnungseigentümer beantragen. Diesbezüglich ist der Verwalter verpflichtet, dem Wohnungseigentümer über die Möglichkeit des Zwangsversteigerungsverfahrens zu informieren und eine Beschlussfassung über das weitere Vorgehen bzw. das Einholen von Rechtsrat herbeizuführen.

3. Bekanntlich genießen Wohngelder bis zu 5% des Verkehrswertes im Zwangsversteigerungsverfahren das Vorrecht gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 2 ZVG. Falls ein anderer Gläubiger die Zwangsversteigerung selbst betreibt, so ist die Anmeldung für die Wohnungseigentümergemeinschaft kostenlos. Die Wohnungseigentümergemeinschaft ist insoweit dann auch nicht verpflichtet, einen Kostenvorschuss im Hinblick auf die Einholung eines Sachverständigengutachtens zur Bestimmung des Verkehrswertes einzuzahlen.

 
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